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In der Regel wird das Vorhandensein von Workarounds ignoriert. Oft sind wir froh, dass Kunden oder Nutzer provisorische Lösungen für bestimmte Herausforderungen entwickelt haben. Denn so können wir uns anderen (angeblich wichtigeren) Dingen zuwenden. Oder wir entdecken, dass in einem Team Workarounds existieren und geben uns damit zufrieden, dass das Team eine Lösung für etwas gefunden hat.

In diesem Beitrag verrate ich Dir, was Du an der Existenz von Workarounds erkennen kannst, und warum Du stets Augen und Ohren offen halten solltest, um sie so früh wie möglich zu entdecken.

Workarounds als Hinweis auf einen wichtigen JTBD

Workarounds sind für Dich ein guter Indikator dafür, dass Deine Nutzer einen wirklich wichtigen Job to Be Done erledigt müssen, aber Dein Produkt derzeit nicht in der Lage ist, diesen Job zu erledigen. Denn wäre die zu erledigende Aufgabe nicht wichtig genug, gäbe es auch keinen Workaround. (Deine Nutzer würden stattdessen einfach nichts tun.)

Auch wenn innerhalb Deines Teams oder Deiner Organisation Workarounds genutzt werden, steckt dahinter ein wichtiger JTBD, der mit den aktuellen, zur Verfügung stehenden Mitteln nicht erledigt werden kann.

Workarounds von Nutzern verraten Dir, wo Dein Produkt besser werden kann

Für Dich als Product Owner bedeutet das, dass Du stets im Blick haben solltest, ob und wo Deine Nutzer und Kunden auf Workarounds zurückgreifen. Denn sie verraten Dir, dass ein wichtiger JTBD derzeit unerledigt bleibt.

  • Eine gute geeignete Methodik, um Workarounds bei Deinen Nutzern zu entdecken, ist beispielsweise One Day in The Life of …

  • Hast Du Workarounds identifiziert, kannst Du verschiedene Formen von Kundeninterviews nutzen, um den dahinterliegenden JTBD zu ermitteln. (Falls er nicht offensichtlich ist.)

  • Falls Du Dir nicht sicher sein solltest, ob der von Dir entdeckte JTBD wichtig genug ist, um ihn mit einem Feature Deines Produktes zu lösen, kannst Du auch ein Opportunity Scoring durchführen.

Interne Workarounds sind problematisch

Während Workarounds von Kunden und Nutzern ein positives Signal für Dich sind, sollte die Existenz von Workarounds in Deinem Team oder sogar in Deiner gesamten Organisation ein Alarmsignal für Dich sein.

Natürlich helfen sie dabei, einen wichtigen JTBD zu erledigen. Aber sie sind eben nur eine “Schmalspur-Lösung”. Sie funktionieren “irgendwie”, sind aber ein potenzielles Risiko, weil sie eben keine perfekte Lösung sind.

Das bedeutet, dass Workarounds sowohl Qualität als auch Sicherheit mindern können.
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Kennst Du noch andere Risiken, die durch Workarounds entstehen?x

Stell Dir nur eine Krankenschwester vor, die wegen fehlender Mullbinden auf andere Materialien zurückgreift, um die Wunden von Patienten zu verbinden. Das mag zwar ganz gut funktionieren, stellt jedoch schlimmstenfalls ein Gesundheitsrisiko für die Patienten dar. Ein anderes Beispiel wäre ein Mitarbeiter, der zur Kommunikation mit Kollegen und Kunden auf WhatsApp zurückgreift, weil sein Unternehmen ihm derzeit keine adäquate Lösung anbietet. Auch hier entsteht ein Sicherheitsrisiko inklusive Verstoß gegen die DSGVO.

Fehlende Psychologische Sicherheit

Falls in Deiner Organisation oder in einem Team auf Workarounds zurückgegriffen wird, liegt das oft an einer zu geringen Psychologischen Sicherheit innerhalb eines Teams bzw. Deiner Organisation. Denn niemand greift ja freiwillig auf Workarounds zurück und macht dabei Abstriche hinsichtlich Qualität oder Sicherheit.

Oft suchen sich Mitarbeiter jedoch Wege, wichtige Jobs to Be Done zu erledigen. Weil sie sich nicht gehört fühlen oder sich nicht trauen, wichtige Probleme anzusprechen. Ein Grund dafür kann mangelnde Psychologische Sicherheit sein, weshalb die Existenz von Workarounds wie erwähnt ein Alarmsignal für Dich sein sollte.

Fazit zu Workarounds

Ich hoffe, ich konnte Dich mit diesem kleinen Blogbeitrag zum Thema Workarounds dafür sensibilisieren, nach ihnen Ausschau zu halten. Denn sie können Dir sowohl dabei helfen, Dein Produkt weiter zu verbessern, als auch ein hilfreicher Indikator für eine schlechte Fehlerkultur in Deiner Organisation sein.

Falls Du noch Fragen, Ideen, Anregungen oder Kritik zu diesem Beitrag haben solltest, freue ich mich wie immer über einen Kommentar von Dir hier unten auf der Seite!