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Kennzahlen gibt es in Unternehmen ja zuhauf. Ge- und vermessen wird alles Mögliche – nur meist nicht das Richtige. Mit einem Key Value Indicator erzeugst Du die ultimative Kennzahl für Dein Team (oder sogar für Deine gesamte Organisation). Worauf Du achten solltest, wenn Du den Key Value Indicator verwenden möchtest, erkläre ich Dir in diesem Blogartikel.

Was ist denn das Problem mit Kennzahlen?

In vielen Unternehmen und Organisationen gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Kennzahlen. Und sie alle haben häufig eines gemeinsam: Sie sind nach innen gerichtet und messen Output. Wie viele Handys haben wir produziert? Wie viele Blogeinträge haben wir geschrieben? Wie viele Aufgaben haben wir abgearbeitet? Wie viele Workshops haben wir gemacht (oder verkauft)? Wie viele Software-Releases haben wir gemacht?

Betriebswirtschaftlich gesehen ergeben diese Kennzahlen meist sehr viel Sinn. Voraussetzung ist jedoch, dass das, was in einem Unternehmen produziert oder getan wird, auch wirklich Nutzen stiftet.

Nokia hat als Handy-Hersteller nicht den Anschluss verloren, weil das Unternehmen zu wenig Handys hergestellt hat oder weil Menschen aufgehört haben, Handys zu nutzen.

Der Main Job bleibt konstant – auch in komplexen Umgebungen

Bei aller Unsicherheit, die in komplexen Umgebungen existiert (Stichwort VUCA), gibt es immer eine Konstante, die sich niemals ändert. Diese Konstante ist der wichtigste Job oder Main Job, den Deine Kunden erledigen möchten. Der Main Job ist der Grund, aus dem Deine Nutzer Dein Produkt anheuern. Ja, richtig gelesen! Kunden kaufen Dein Produkt nicht, weil es so geil ist, sondern weil es ihnen dabei helfen soll, bestimmte Aufgaben zu erledigen. Diese Aufgaben sind die Jobs to Be Done Deiner Kunden.

Die Musikbranche hat beispielsweise in den letzten Jahren eine rasante technologische Entwicklung von der LP über die CD, MP3 bis hin zu Streamingdiensten wie Spotify, iTunes oder Deezer durchgemacht. Der Main Job, den diese Produkte für ihre Nutzer erledigen, ist jedoch immer noch der gleiche: Musik hören. Das gilt auch für den Main Job von Handys: Mit Menschen Informationen und Erlebnisse teilen. Oder einfach nur Mit Menschen kommunizieren.

So gesehen unterscheidet sich eine LP erst einmal in Nichts von Spotify. Und ein Brief erfüllt den gleichen Main Job wie WhatsApp oder Threema. Mit dem Unterschied, dass Spotify den Main Job Musik hören in vielerlei Hinsicht besser erledigt als eine LP und WhatsApp den Main Job Mit Menschen kommunizieren besser erledigt als ein Brief.(Ja, ich weiß: Es gibt diverse Kontexte und Situationen, in denen eine LP einem Streamingdienst überlegen ist und ein Brief einer Messenger-Nachricht. Das soll uns an dieser Stelle jedoch nicht weiter stören.)

Wenn wir nun das obige Nokia-Beispiel noch einmal aufgreifen, dann haben die Handys von Nokia ihren Main Job zwar noch genauso gut erfüllt wie zuvor, aber es gab irgendwann andere Produkte, die den Job noch besser erfüllten. Genauso wie die Wikipedia den Main Job Informationen und Wissen finden besser erledigt als eine Brockhaus-Edition.

Der Key Value Indicator macht sichtbar, wie gut Dein Produkt den Main Job Deiner Nutzer erledigt

Der Key Value Indicator ist eine Kennzahl, mit der Du messbar machst, wie gut es Deinem Team bzw. Deiner Organisation gelingt, den Main Job Deiner Kunden zu erledigen. Im Gegensatz zu einem Key Performance Indicator ist der Key Value Indicator also nach außen auf den Kunden gerichtet.

Key Value Indicator Beispiele

Damit Du Dir ein wenig besser vorstellen kannst, wie ein guter Key Value Indicator aussehen kann, habe ich hier ein paar (mögliche) Beispiele für Dich:

  • Blog: (Absolute) Anzahl Deiner wiederkehrenden Besucher pro Monat

  • Lieferdienst: Zeitspanne bis Dein Paket beim Kunden ankommt

  • Social Media Plattform: Anzahl Deiner täglich aktiven Nutzer

  • App: Tägliche Nutzungszeit Deiner App-User

Wie immer solltest Du sehr vorsichtig sein, welche Kennzahl Du mit Deinem Team als Key Value Indicator nutzen möchtest. Deshalb empfehle ich Dir, mit verschiedenen Kennzahlen zu experimentieren, ob sie die Erfüllung des Main Jobs Deiner Kunden wirklich abbilden.

Misst Du für Deinen Blog etwa die Besuchszeit Deiner User, mag das auf den ersten Blick vielleicht sinnvoll klingen. Eine lange Besuchszeit kann aber auch ein guter Indikator darauf sein, dass Deine Besucher nicht schnell genug das finden, was sie eigentlich suchen.

Ich empfehle Dir deshalb, dass Du Dir zuerst über den Main Job Deiner Kunden klar wirst und dann überlegst, welcher Key Value Indicator diesen wirklich abbilden kann.

Mit der 5-I-Regel zum perfekten Key Value Indicator

Die 5-I-Regel hilft Dir dabei, die wichtigsten Aspekte für einen guten Key Value Indicator zu beachten:

  • Impact: Der KVI hat einen Einfluss auf den Main Job Deiner Kunden bzw. Nutzer.

  • Influence: Du bist in der Lage, die Metrik zu beeinflussen.

  • Insight: Dein KVI ist sichtbar und so aktuell wie möglich.

  • Ideas: Die Metrik führt dazu, dass Du kreativ mit neuen Ideen darangehen kannst, sie zu verbessern.

  • Intent: Die Absicht hinter der Metrik ist jedem klar und offensichtlich. (Jeder im Team kann erklären, was der Sinn und Zweck des Key Value Indicators ist und wie er dabei hilft, Kundennutzen sichtbar zu machen.)

Das war’s von meiner Seite zum Key Value Indicator. Wenn Du Fragen, Anregungen oder Kritik für mich hast, schreib mir gerne in die Kommentare. Wenn Du (noch) mehr über das Thema wissen möchtest, empfehle ich Dir einen Blick in meinen Blogbereich Evidence-Based Management! (Oder kauf Dir das Buch Agile Leadership Toolkit von Peter Koning.)