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Du hast schon von Scrum, OKR oder Kanban gehört, aber hast noch keinen Überblick darüber, was eigentlich genau hinter agilem Arbeiten steckt und worum es im Kern geht? Dann bist Du hier genau richtig! In diesem Beitrag bringe ich Dir die agilen Werte und Prinzipien ein wenig näher und gebe Dir einen kleinen Einblick, wie vor über 20 Jahren in einem Ski-Resort in Utah alles mit dem Agilen Manifest begann. Am Ende dieses Beitrags gehe ich noch darauf ein, warum es (vielleicht) notwendig ist, mit Modern Agile einen neuen, allgemeineren Ansatz zu formulieren, der agiles Denken und Arbeiten aus der Softwareentwicklung befreit..

Das agile Manifest

Vor über 20 Jahren trafen sich 17 Softwareentwickler im Ski-Resort Snowbird (Utah), um vielen damals existierenden Strömungen in der Softwareentwicklung so etwas wie ein gemeinsames Fundament zu geben. (Unter ihnen waren beispielsweise auch die Scrum-Urväter Ken Schwaber und Jeff Sutherland.) Damals wurden viele dieser neuen Methoden, Ansätze und Techniken häufig noch informell als Lightweight Methods bezeichnet. Aber irgendwie traf es das wohl nicht so wirklich.

Die vier agilen Werte des Manifests

Das Ergebnis dieser Zusammenkunft ist das bekannte Manifest für Agile Softwareentwicklung, das vier zentrale agile Werte formuliert. Darüber hinaus etablierte das Manifest auch Agilität als zentralen Begriff für verschiedene Techniken und Methoden und machte ihren gemeinsamen Kern sichtbar.

Wir erschließen bessere Wege, Software zu entwickeln, indem wir es selbst tun und anderen dabei helfen. Durch diese Tätigkeit haben wir diese Werte zu schätzen gelernt:

  • Individuen & Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge.
  • Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation.
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung.
  • Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plans.

Das heißt, obwohl wir die Werte auf der rechten Seite wichtig finden, schätzen wir die Werte auf der linken Seite höher ein.

Individuen & Interaktionen

Prozesse und Werkzeuge sind sicherlich ein wichtiger Faktor für die agile Softwareentwicklung. Aber nur Individuen sind fähig, sich permanent weiterzuentwickeln. Die Interaktion innerhalb eines Teams ist der Schlüssel, um aus dem Ganzen mehr entstehen zu lassen als die Summer seiner einzelnen Teile. Andererseits muss jedes Teammitglied als Individuum mit seinen Stärken und Schwächen wahrgenommen und einbezogen werden.

  • Falls Du Dich für die Bedeutung von individuellen Stärken & Schwächen interessierst, empfehle ich Dir auch meinen Artikel über die Teamrollen nach Belbin.

Funktionierende Software

Die Dokumentation von Anforderungen und fertigen Ergebnissen sind wichtig. Noch wichtiger ist jedoch, dass Kunden auch ein funktionierendes (Software-)Produkt erhalten, das sie nutzen können und das seinen Zweck erfüllt. Ein vollumfängliches Handbuch zu einer Software, die nicht funktioniert, ist vollkommen nutzlos.

Zusammenarbeit mit dem Kunden

Verträge sorgen für ein gemeinsames Verständnis, worum es bei der agilen Produktentwicklung (oder einem Projekt) gehen soll. Trotzdem können sie nicht jedes denkbare Szenario abdecken oder jedes Ereignis vorwegnehmen. Gerade in komplexen Systemen kommen fortlaufend neue Erkenntnisse hinzu, die eine Monate zurückliegende Ausgangslage ungültig machen.

Eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit mit Kunden ist deshalb viel wichtiger als wasserdichte Vertragswerke.

Reagieren auf Veränderung

Pläne dienen dazu, eine Richtung für die Entwicklung eines Produktes festzulegen. Und es ist ein Irrglaube, agiles Arbeiten bestünde darin, gar nicht zu planen. Tatsächlich wird bei agilen Projekten häufiger und mehr geplant als in einem klassischen Wasserfall-Projekt. (Mehr dazu findest Du in meinem Artikel über agiles Planen.)

Es ergibt jedoch keinerlei Sinn, an einem Plan festzuhalten, der von Umständen ausgeht, die nicht mehr zutreffen. Die oben erwähnte Komplexität führt jedoch dazu, das gerade dieser Fall sehr häufig eintritt. Viel wichtiger als ausgefeilte Pläne ist deshalb das Reagieren auf Veränderung.

Agile Prinzipien

Für sich allein genommen sind die agilen Werte (noch) nicht sonderlich aussagekräftig und lassen viel Spielraum für Interpretationen. Glücklicherweise entstanden bei der zweitägigen Zusammenkunft in Snowbird neben dem Agilen Manifest mit seinen vier agilen Werten auch die Grundzüge der 12 Prinzipien agiler Softwareentwicklung.(Ausformuliert wurden sie jedoch erst später, wie Du bei Martin Fowler nachlesen kannst, falls Du tiefer in die Geschichte des Agilen Manifests einsteigen möchtest.)

Wenn Du so möchtest, stellen die agilen Prinzipien so etwas wie das Handbuch zu den agilen Werten des Manifests dar. Es ist wirklich lohnenswert sie zu kennen, da sie gut vermitteln, worum es im Agilen Manifest wirklich geht.

Die 12 agilen Prinzipien im Detail

Dieses agile Prinzip steht nicht umsonst an erster Stelle. Es stellt den Kunden ins Zentrum des agilen Denkens. Das Ziel agilen Arbeitens ist es, früh und kontinuierlich Nutzen zu stiften.

Veränderungen sind keine Störungen, sondern ein wichtiger Teil agiler Arbeit. Da Veränderung ohnehin unvermeidbar ist, nutzt die agile Softwareentwicklung sie dazu, einen Vorteil für den Kunden zu erzeugen.

Um auf Veränderungen reagieren zu können und gleichzeitig Nutzen zu stiften, sind kurze Zeiträume notwendig. Kunden sollen so früh wie möglich von der Arbeit eines Software-Teams profitieren können.

Fachexperten haben den Blick für die Anforderungen des Kunden. Softwareentwickler wissen, was machbar und möglich ist. Dieses agile Prinzip sorgt für einen permanenten Austausch, der Risiken minimiert und verhindert, dass sich ein Projekt oder Produkt in die falsche Richtung bewegt.

Herausragende Ergebnisse werden nur durch Menschen erzielt, die Sinn und Nutzen ihrer Arbeit erkennen. Und nicht durch Code-Monkeys, die stupide ihre Aufgaben abarbeiten. Durch dieses agile Prinzip veränderte sich die Bedeutung von Führung zu dem, was wir heute unter dem Begriff New Leadership kennen.

Das agile Prinzip der direkten Kommunikation sorgt dafür, dass Informationen weder verloren gehen noch verfälscht werden. Schriftliche Kommunikation öffnet in der Regel Tür und Tor für Missverständnisse, Vermutungen und Unklarheiten.

Auch eine zu 99 % fertige Software ist nicht nutzbar. (Genauso wenig wie Du eine zu 99 % fertige Pizza nicht essen kannst.)

Agile Produktentwicklung stiftet fortlaufend neuen Nutzen. Was nicht bedeutet, dass die erste Softwareversion schon alles kann, was das Endprodukt können soll. Nutzen ist wichtiger als erledigte Aufgaben, die Geschwindigkeit der Entwicklung oder dergleichen mehr.

Exzellente Produkte entstehen nur dann, wenn ein Team nicht permanent unter Strom steht oder eine drohende Deadline dazu führt, dass Überstunden geleistet werden müssen. Das agile Prinzip der Nachhaltigkeit sorgt dafür, dass das Arbeitstempo eines Teams bestenfalls unbegrenzt gehalten werden kann.

Die technische Qualität einer Lösung ermöglicht es, Dinge einfach und unkompliziert umzugestalten. Voraussetzung hierfür ist natürlich auch das entsprechende Know-how der Entwickler.

Dieses agile Prinzip legt den Fokus darauf, mit möglichst wenig Aufwand den maximalen Effekt zu erzielen. Je simpler ein Produkt gestaltet ist, desto leichter ist es auch, auf Veränderungen zu reagieren und Anpassungen vorzunehmen.

Kreativität und Innovation entstehen dann, wenn interdisziplinäre Teams selbstorganisiert und autonom arbeiten können. Durch die Perspektivenvielfalt entstehen Software-Architekturen, die besser sind als diejenigen, die von einem einzelnen „Genie“ erdacht wurden.

Auch die Zusammenarbeit eines Teams ändert sich fortlaufend, da es sich weiterentwickelt. Dieses agile Prinzip sorgt dafür, dass dieser Prozess nicht dem Zufall überlassen wird. Retrospektiven, in denen sich erfolgreiche Teams „selbst inspizieren“, sind deshalb ein fester Bestandteil agiler Softwareentwicklung.

Agile Werte 2.0

Wenn Du die vorhergehenden Abschnitte aufmerksam gelesen hast, wird Dir sicherlich aufgefallen sein, dass dort ziemlich häufig das Wort Software gefallen ist. Das ist auch erst einmal nicht weiter verwunderlich, da die agile Bewegung ihren Ursprung ja in der IT hatte. Genau deshalb solltest Du jedoch das Agile Manifest immer als das betrachten, was es ist: ein Manifest für agile Softwareentwicklung. Und auch die agilen Werte des Manifests sind (in erster Linie) Werte der agilen Softwareentwicklung.

Allerdings hat sich agiles Arbeiten in den letzten 20 Jahren bekanntermaßen in eigentlich alle anderen Geschäftsbereiche ausgebreitet. Und mit dieser Ausbreitung entstanden immer neue Methoden, Frameworks und Ansätze, sodass es mittlerweile doch recht unübersichtlich geworden ist. Wirf ruhig einmal einen Blick auf die Agile Landscape Map von Deloitte. Darüber hinaus existieren hunderte verschiedene Zertifizierungen, da unzählige Berater auf den „agilen Zug aufgesprungen“ sind.(Gefunden habe ich diese beiden tollen Artikel übrigens im lesenswerten Beitrag von Kai-Marian Pukall auf t2informatik.)

Ist es da nicht an der Zeit, sich auf die agilen Werte zu besinnen, statt sich in Methoden und Tools zu verstricken? Gleichzeitig wäre es doch auch wünschenswert, agile Werte offener zu gestalten und nicht mehr auf die Softwareentwicklung zu beschränken.

Modern Agile

Diesen Gedanken muss wohl auch Joshua Kerievsky gehabt haben. Ende 2015 begründete er deshalb die Modern Agile Community. Modern Agile basiert lediglich auf vier agilen Prinzipien, die mit einer Creative Commons Lizenz versehen sind, um sie so zu einem Allgemeingut zu machen, an dem jeder mitarbeiten kann und soll.

Modern Agile kennt weder konkrete Methoden noch Frameworks, sondern versucht eine Rückbesinnung auf die agilen Werte selbst.

Modern Agile Prinzipien

Die vier Modern Agile Prinzipien lauten:

Modern Agile Prinzipien
  • Mache Menschen genial

  • Mache Sicherheit zu einer Grundvoraussetzung

  • Experimentiere & lerne zügig

  • Liefere fortlaufend Wertvolles aus

Wenn wir genauer hinschauen, haben die „neuen“ agilen Prinzipien ihre Entsprechung in den Werten Agilen Manifests.

Modern Agile Prinzip Agiler Wert (Manifest)
Mache Menschen genial Zusammenarbeit mit dem Kunden
Mache Sicherheit zu einer Grundvoraussetzung Individuen & Interaktionen
Experimentiere & lerne zügig Reagieren auf Veränderung
Liefere fortlaufend Wertvolles aus Funktionierende Software

Kerievskys Ansatz können wir also als gelungenen Ansatz verstehen, die 20 Jahre alten agilen Werte auf neue Füße zu stellen und sie von der reinen Softwareentwicklung zu entkoppeln. Auch wenn er damit irgendwie agile Werte in agile Prinzipien transformierte.

Aber schauen wir uns die Prinzipien von Modern Agile ein wenig genauer an.

Mache Menschen genial

Das erste Prinzip in Modern Agile setzt den Fokus auf alle Menschen Deines Ökosystems. In erster Linie sind das natürlich Deine Kunden, die Deine Produkte oder Services kaufen und nutzen. Aber auch Deine Stakeholder, die Dich dabei unterstützen, Dein Produkt herzustellen.

Wenn es Dein Wunsch ist, Deine Kunden genial zu machen, dann wirst Du das niemals mit unzufriedenen Mitarbeitern erreichen können. Als Führungskraft bedeutet dieses agile Prinzip deshalb, dass Du auch Deine Mitarbeiter genial machst. Es ist Deine Aufgabe, ihnen alles zur Verfügung zu stellen, was sie benötigen oder Hindernisse für sie aus dem Weg zu räumen, die sie nicht alleine beseitigen können.

  • Ein hervorragendes Werkzeug, um dieses agile Prinzip zum Leben zu erwecken, ist in meinen Augen die Jobs-to-Be-Done-Methode, da sie einen absoluten Fokus auf Kundenzentrierung erzeugt.

Growth Mindset

Für mich persönlich schließt dieses agile Prinzip auch das Growth Mindset von Carol Dweck mit ein. Eine Innovationskultur, die kollaboratives Arbeiten fördern will, darf Menschen nicht als unveränderliche, statische Wesen betrachten. Denn gerade ein Fixed Mindset wirkt sich extrem negativ auf Kollaboration, Offenheit und eine gute Fehlerkultur aus.

Mache Sicherheit zu einer Grundvoraussetzung

Kein Team der Welt wird Menschen genial machen können, wenn untereinander kein Grundvertrauen herrscht. Deshalb lautet der zweite agile Wert (beziehungsweise Prinzip) Mache Sicherheit zu einer Grundvoraussetzung. Komplexe Systeme bringen Unsicherheiten und Risiken mit sich und Scheitern ist damit unvermeidbar. Ein agil arbeitendes Team muss ausreichend Mut besitzen, um unter diesen Umständen Entscheidungen zu treffen, die sich im Nachhinein immer auch als Irrtum entpuppen können.

Liefere fortlaufend Wertvolles aus

Wir können Menschen nur genial machen, wenn wir Menschen Produkte und Services an die Hand geben, die sie auch verwenden können. Wertvolles und Nutzen entstehen jedoch erst dann, wenn wir in der Lage sind, dies kontinuierlich und fortlaufend zu erreichen.

Um permanent Nutzen zu stiften, der früh zum Kunden gelangt, müssen wir große Produkte in viele kleine Bausteine verkleinern, die jeder für sich genommen bereits nützlich sind.

Experimentiere & lerne zügig

Unsicherheiten und Risiken in komplexen Systemen führen zu Fehlern und Irrtümern. Je schneller wir hinzulernen, desto erfolgreicher werden wir mit unserer Aufgabe sein, Nutzen zu stiften. Experimente, die wir in der Praxis validieren, sind damit ein unumgänglicher Bestandteil agilen Arbeitens. Und deshalb ist Experimentiere & lerne zügig unserer Meinung nach vollkommen berechtigt das vierte Prinzip in Modern Agile.

Die fünf Scrum Werte

Neben den agilen Werten aus dem Manifest existieren seit 2016 auch im Scrum Guide spezielle Werte für das Framework von Schwaber und Sutherland. Es sind Commitment, Fokus, Offenheit, Respekt und Mut.

Die Informationen, die der Scrum Guide zu diesen agilen Werten liefert, fallen allerdings ein wenig mager aus.

Die erfolgreiche Anwendung von Scrum hängt davon ab, dass die Menschen immer besser in der Lage sind, fünf Werte zu leben:

Commitment, Fokus, Offenheit, Respekt und Mut

Das Scrum Team committet sich, seine Ziele zu erreichen und sich gegenseitig zu unterstützen. Sein primärer Fokus liegt auf der Arbeit des Sprints, um den bestmöglichen Fortschritt in Richtung dieser Ziele zu bewirken. Das Scrum Team und dessen Stakeholder sind offen in Bezug auf die Arbeit und die Herausforderungen. Die Mitglieder des Scrum Teams respektieren sich gegenseitig als fähige, unabhängige Personen und werden als solche auch von den Menschen, mit denen sie zusammenarbeiten, respektiert. Die Mitglieder des Scrum Teams haben den Mut, das Richtige zu tun: an schwierigen Problemen zu arbeiten.

Deshalb möchte ich Dir hier einen kurzen Überblick geben, was hinter den Scrum Werten genau steckt. (Ausführlicher habe ich sie in meinem Artikel Die 5 Scrum Werte unter die Lupe genommen.)

Commitment

Der Scrum Wert Commitment wird sehr häufig missverstanden – insbesondere in Verbindung mit dem Sprintziel. Es gibt viele Menschen, die ein Commitment auf das Sprintziel mit einem Versprechen oder einer Garantie gleichsetzen, es auch zu erreichen. In komplexen Systemen, die durch viele Unabwägbarkeiten und Risiken gekennzeichnet sind, kann es jedoch weder Versprechen noch Garantien geben.

Ein Scrum Team kann sein Commitment abgeben, alles für das Sprintziel zu tun. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit einem Versprechen, es auch tatsächlich zu erreichen.

Seit November 2020 existieren außerdem drei offizielle Commitments im Scrum Guide. Sie beziehen sich auf die sogenannten Scrum Artefakte: das Produkt Backlog, das Sprint Backlog und das Increment.

  • Für das Product Backlog ist es das Produktziel.

  • Für das Sprint Backlog ist es das Sprintziel.

  • Für das Increment ist es die Definition of Done.

In erster Linie zielen diese Commitments also darauf ab, ausreichend Fokus während der gemeinsamen Arbeit des Scrum Teams zu erreichen. Das bringt uns zum zweiten Scrum Wert.

Fokus

Der Scrum Wert Fokus hilft einem Scrum Team dabei, kollaborativ zu arbeiten und sich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist. In erster Linie sind das die bereits oben erwähnten Commitments Produktziel, Sprintziel und die Definition of Done.

  • Der Fokus auf das Produktziel bewirkt, dass sich das Produkt in die richtige Richtung entwickelt und nicht an allen Baustellen gleichzeitig gearbeitet wird.

  • Das Sprintziel bietet besonders den Entwicklern Orientierung in der täglichen Arbeit, was sie tun sollten (und was besser nicht).

  • Die Definition of Done erzeugt einen Fokus auf ein nutzbares Ergebnis am Ende eines jeden Sprints.

Offenheit

Offenheit ist die Grundvoraussetzung für die notwendige Transparenz einer empirischen Prozesssteuerung. Ohne Offenheit keine Transparenz und ohne Transparenz kein inspect & adapt. Auch der Scrum Wert Offenheit bezieht sich wieder sehr stark auf die drei Scrum Artefakte Product Backlog, Sprint Backlog und das Increment.

  • Ein Scrum Team muss offen sein, den wahren Stand der noch der zu erledigenden Arbeit im Sprint Backlog für sich selbst und andere sichtbar zu machen.

  • Ein transparentes Product Backlog zeigt Offenheit gegenüber den Stakeholdern, welche Dinge aktuell geplant sind und wo die Prioritäten des Product Owners liegen.

  • Ebenso muss Offenheit über den Zustand des Increments herrschen. Ein gutes Scrum Team demonstriert diese Offenheit, indem es beispielsweise sein Produkt in der Sprint Review zeigt. (Und sich vielleicht auch einmal unangenehmen Fragen der Stakeholder stellt.)

Aber auch im Scrum Team selbst muss während eines Sprints Offenheit herrschen. Gerade die Unterschiedlichkeit, die ein interdisziplinäres Team mit sich bringt, macht es notwendig, offen für andere Sichtweisen und Perspektiven zu sein.

Respekt

Interdisziplinäre Teams bringen eine große Vielfalt an Meinungen und Ansichten mit sich. Zum einen ist das die große Stärke dieser Teams. Denn sie sorgt für Synergie-Effekte und die Entstehung von Kreativen Feldern, die aus dem Ganzen mehr machen als seine einzelnen Teile.

Zum anderen fordert es jedem einzelnen in der Praxis auch viel ab, da unterschiedliche Perspektiven und Ansichten auch jede Menge Konfliktpotenzial mit sich bringen. Respekt ist deshalb ein agiler Wert, der in Scrum Teams besonders wichtig ist.

Mut

Mut ist ein häufig unterschätzter agiler Wert in Scrum. Dabei ist er sehr häufig die erste Voraussetzung für den Scrum Wert Offenheit. Gerade in Organisation, die ihre agile Transformation erst begonnen haben, braucht es Mut, wichtige Dinge und Probleme zu thematisieren. Ganz besonders dann, wenn es an der Psychologischen Sicherheit hapert, die anfangs eher selten vorhanden ist.

Die Reise geht weiter

Ich hoffe, ich konnte Dir mit meinem Artikel einen guten Einblick in die Bedeutung von agilen Werten und Prinzipien geben. Gleichzeitig bin ich fest davon überzeugt, dass diese Reise, die vor über 20 Jahren begann, noch lange nicht zu Ende ist.

Vielleicht lesen wir uns ja in 20 Jahren wieder hier an dieser Stelle und tauschen uns darüber aus, welche agilen Werte Bestand hatten und welche nicht? Wer weiß das schon…