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In dieser Wardley-Maps-Einführung gebe ich Dir einen ersten Überblick und welche grundsätzliche Idee hinter dem Strategietool von Simon Wardley steckt.

Mit Hilfe von Wardley Maps kannst Du einen nützlichen Überblick über Deine Branche erzielen und zukünftige Entwicklungen in Deinem Markt besser erkennen. Denn nur so bist Du in der Lage, auf Veränderungen ausreichend früh reagieren zu können. (Oder sie bestenfalls selbst zu initiieren.)

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Der Ursprung von Wardley Maps

In seiner Rolle als CEO von Fotango stellte Simon Wardley irgendwann fest, dass ihm keines der existierenden Strategie-Tools bei seinen Entscheidungen, die er treffen musste, wirklich helfen konnte. Auf seiner Lernreise, die er im ersten Kapitel seines online verfügbaren Buches ausführlich beschreibt, befasste er sich – mehr oder weniger durch Zufall – auch mit dem Buch Sun Tzu (Die Kunst des Krieges). Dort stieß er unter anderem auf eine Auflistung wichtiger Faktoren in der Kriegsführung, die ihm klarmachte, was er bisher alles übersehen hatte.

Sun Tzu – 5 Faktoren einer erfolgreichen Strategie

  • Zweck

  • Landschaft

  • Klima & Wetter

  • Standard-Taktiken

  • Führung

Wardley wurde klar, dass sein Unternehmen zwar einen mehr oder weniger klaren Zweck (eine Unternehmensvision) hatte, aber dass es eine Art Kurzschluss zwischen Zweck und Führung gab. Er hatte keinerlei Ahnung, wie die Landschaft, das Klima oder Standardtaktiken seiner Organisation aussahen bzw. aussehen sollten.

Vielmehr hatte seine Organisation (wie viele andere) zwar ein strategisches Ziel, ging jedoch danach direkt in die Umsetzung (Führung).

Kopieren ist der strategische Standard der meisten Organisationen

Simon Wardley verstand schnell, dass es fast allen anderen Organisationen genauso ergeht. Denn nur so ließ sich erklären, warum sie sich permanent kopieren und nachahmen: Es war der schiere Glaube, dass das, was andere erfolgreich machte, das eigene Unternehmen ebenfalls erfolgreich machen könne.

Das Spotify-Modell, das es nie gab

Diese Art der Imitation kannst Du in der Wirtschaft an zahllosen Stellen beobachten. Vor einigen Jahren machte beispielsweise das Spotify Model mit seinen Tribes, Squads, Guilds & Chapters die Runde. Viele Unternehmen begannen sofort damit, diese Idee ebenfalls zu verfolgen. Man glaubte, weil Spotify ein außerordentlich erfolgreiches Unternehmen war, dass diese Art der Teamorganisation dem eigenen Unternehmen ebenfalls zu mehr Erfolg verhelfen würde. (Die Ironie an der Geschichte: Spotify selbst hat das (angebliche) Spotify Model niemals genutzt.)

Eine Welt von Schachspielern

Simon Wardley bringt in seinem Buch die sehr anschauliche Geschichte Eine Welt von Schachspielern, die das Problem der Wirtschaftswelt sehr gut auf den Punkt bringt. Weshalb ich daraus ein kurzes Video für Dich gemacht habe.

Wardley Maps sind strategische Landkarten für die Wirtschaft

Besonders die Faktoren Landschaft und Klima brachten Simon Wardley schließlich dazu, sich näher mit der militärischen Funktion von Karten zu beschäftigen. Beides legte das gedankliche Fundament für Wardley Maps. Die grundlegende Idee ist es, eine strategische Landkarte für die Wirtschaft zu entwickeln. Und deshalb spricht Wardley auch häufig von Landscape und Climatic Patterns.

Situational Awareness

Mit Hilfe von Wardley Maps kannst Du deshalb nicht nur besser Dein strategisches Warum verfolgen, sondern darüber hinaus ein Warum für Dein Handeln (Why of Movement) entwickeln. Zusätzlich machen Wardley Maps auch die Veränderungen der (wirtschaftlichen) Landschaft durch Wetter bzw. Klima (im Sinne von Einflüssen und Trends) begreifbar. Auf diese Weise sicherst Du Dir mit Wardley Maps einen strategischen Vorteil. Denn durch sie erreichst Du das, was Simon Wardley auch Situational Awareness nennt.

Ein Wort zum militärischen Charakter von Wardley Maps

Es lässt sich vortrefflich darüber streiten, ob der militärische Blick von Wardley Maps auf die Wirtschaft sinnvoll und notwendig ist. (Und ich unterstreiche an dieser Stelle gerne, dass ich diesen Aspekt an Wardley Maps nicht mag.) Historisch betrachtet hat das Thema Strategie jedoch unbestreitbar militärische Wurzeln. Ohne diesen Hintergrund lässt sich ihre Funktionsweise gar nicht voll erfassen. (Und deshalb habe ich in dieser Wardley Maps Einführung darauf verzichtet, ihn irgendwie zu eliminieren.)

Andererseits spielen militärische Aspekte für das Verständnis von Wardley Maps zwar eine wichtige Rolle, in der Praxis hingegen sind sie meiner Ansicht nach so gut wie irrelevant.

Merkmale von Karten

Ich hoffe, meine kleine Einführung zum Thema Wardley Maps hat Dir dabei geholfen, die Entstehungsgeschichte und die dahinterliegende Grundidee besser zu verstehen. Im nächsten Artikel gehe ich detaillierter auf die Merkmale von Karten ein und zeige Dir, warum beispielsweise die beliebte Megatrend-Map des Zukunftsinstituts gar keine echte Karte ist.