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Nicht jedes Scrum Team ist immer in der Situation, dass das, was es fertiggestellt hat, auch direkt an den Kunden ausgeliefert wird. Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum beispielsweise feste Release-Zyklen existieren und Updates für Kunden nur einmal im Vierteljahr erfolgen. In solchen Fällen kann es für eine Organisation sinnvoll sein, neben der Lead Time & Cycle Time auch die Customer Cycle Time zu messen.

Inhaltsverzeichnis

Was misst die Customer Cycle Time?

Ursprünglich stammt diese Metrik aus dem Evidence-Based Management, kann jedoch auch in Kanban oder Scrum eingesetzt werden.

Die Customer Cycle Time misst die Zeit, die benötigt wird, bis ein neues Feature (oder anderes Work Item) wirklich vom Kunden genutzt werden kann, nachdem damit begonnen wurde, es umzusetzen.

Damit ist die Customer Cycle Time immer dann sinnvoll, wenn Deine Organisation in festen Release-Zyklen arbeitet und Deine Scrum Teams ein Update nicht nach jedem Sprint (oder noch früher) an ihre Kunden und Nutzer ausliefern.

Cycle Time vs. Lead Time vs. Customer Cycle Time

Um Dir das Konzept hinter der Customer Cycle Time zu verdeutlichen, habe ich hier einmal den Workflow eines Scrum Teams visualisiert, deren fertige Arbeit für einige Zeit gesammelt wird, um dann in festen Release-Zyklen an die Kunden geliefert zu werden.

  • Die Arbeitsschritte New und Refined gehören in diesem Workflow zum Product Backlog.

  • Das Sprint Backlog besteht aus den Status Planned, Dev, Test und Done.

  • Fertige Work Items werden jedoch nicht direkt an die Nutzer ausgespielt, sondern nach der Sprint Review im Status Releasable gesammelt, um von dort (beispielsweise alle 3 Monate) ausgeliefert zu werden.

Durch diesen Workflow entstehen für die drei Metriken vollkommen unterschiedliche Werte.

  • Die Cycle Time misst, wie lange eine Aufgabe benötigt, um fertiggestellt zu werden, nachdem die Arbeit daran begonnen wurde.
  • Die Lead Time bemisst den Zeitraum von der Aufnahme ins Product Backlog bis zur Fertigstellung durch das Scrum Team.

  • Die Customer Cycle Time hingegen gibt an, wie lange es dauert, bis ein Kunde von neu erstellten Features auch wirklich profitieren kann, nachdem das Team mit der Arbeit daran begonnen hat.

Fazit zur Metrik

Die Customer Cycle Time kann damit sehr hilfreich sein, um Probleme einer Organisation sichtbar zu machen, die nicht in „langsamen Teams“ begründet sind, sondern in ihrer Fähigkeit, den Nutzen auch zum Kunden zu bringen.

Ein recht häufiger Reflex, wenn Kunden ausbleibende Updates bemängeln, ist es nämlich, die Arbeit in den Teams zu beschleunigen. Wenn sich aber der wahre Grund an anderer Stelle im Unternehmen befindet (nämlich in einer viel zu langen Delivery-Phase), kannst Du diesen Umstand mit Hilfe der Customer Cycle Time sicht- und vor allem diskutierbar machen.

Agile Produktentwicklung vs. Nachgelagerter Workflow