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Die Starfish Retrospektive ist eine der beliebtesten Methoden, um zum Ende der Sprint Retrospektive gemeinsam Ideen zu sammeln, was ein Scrum Team im nächsten Sprint besser machen kann. Zu Recht, wie ich finde!

Aufbau der Starfish Retrospektive

Für die Starfish Retrospektive teilst Du ein (digitales) Whiteboard in fünf unterschiedliche Bereiche, wodurch sich ein seesternförmiges Muster ergibt, das dieser Retromethode ihren Namen gab. Diese fünf Bereiche stehen dabei für:

  • Start doing – Eine konkrete Maßnahme, mit der Dein Scrum Team ab dem nächsten Sprint beginnen möchte.

  • More of – Aktivitäten, die Dein Team bereits praktiziert, aber nun ausweiten möchte.

  • Keep doing – Etwas, was Dein Scrum Team bereits gut kann, worin es sich aber bestärken will.

  • Less of – Negative Angewohnheiten und Dinge, die Dein Team weniger machen möchte. (Zum Beispiel “meckern”)

  • Stop doing – Schlechte Angewohnheiten, mit denen Dein Scrum Team ab sofort aufhören möchte.
Starfish Retro

Durchführung der Starfish Retrospektive

Der Ablauf der Starfish Retrospektive ist simpel. Nachdem Dein Team in den vorangegangenen Retrophase Themen gesammelt und Erkenntnisse gewonnen hat, dient die Starfish Methode dazu, Entscheidungen zu treffen. Dazu trägt jedes Teammitglied Ideen auf dem Starfish ein, von denen es glaubt, dass das Team diese im nächsten Sprint umsetzen sollte. Ein kurzer Zeitraum von 5 bis maximal 10 Minuten sollte dazu ausreichen.

Anschließend wird jede Maßnahmen-Idee vorgestellt und kurz besprochen. Hierbei können gleiche oder ähnliche Ideen bereits durch den Scrum Master geclustert werden.

Damit Ihr Euch nicht zu viele Maßnahmen vornehmt, solltet Ihr in jedem Fall ein Dot-Voting durchführen und Euch auf ein bis zwei (maximal drei) konkrete Maßnahmen einigen. Achtet darauf, dass diese Maßnahmen möglichst konkret, bestenfalls als Action Item im Sprint Backlog festzuhalten, damit ihr fokussiert daran arbeiten könnt.

Vorteile der Starfish Retrospektive

Der große Vorteil der Starfish Retrospektive gegenüber anderen Methoden ist der, dass Ihr im Team graduelle Entscheidungen treffen könnt.

Häufig gibt es Themen, die sich nicht sofort von einem Sprint auf den anderen abstellen lassen. Statt solche Maßnahmen unter Stop doing zu notieren, könnt Ihr im Team Überlegungen anstellen, wie es möglich ist, zumindest weniger davon zu machen (Less of).

Genauso ist es möglich, bereits bestehende Maßnahmen auszuweiten (More of). Beispielsweise “Testszenarien auf andere Bereiche auszuweiten”.

Auch beim Bereich Start doing könnt Ihr mit ersten kleinen Schritten experimentieren. Eine mögliche Hilfestellung hierbei sind die 15% Solutions aus den Liberating Structures. Statt sich also direkt den großen Brocken vorzunehmen, könnt Ihr mit einer kleinen, einfachen Verbesserung starten und dann in den folgenden Retrospektiven diese Maßnahme erweitern (More of). Natürlich nur, wenn Ihr herausgefunden habt, dass die Maßnahme sinnvoll war.

Nachteile der Starfish Retrospektive

Ein problematischer Aspekt der Starfish Retrospektive sind meiner Ansicht nach die beiden Bereiche Stop doing beziehungsweise Less of. Gerade neue Scrum Teams haben eine gute Vorstellung davon, was sie nicht mehr tun wollen, sodass diese beiden Bereiche schnell ziemlich voll werden. Zu wissen, was man nicht mehr tun möchte, hilft jedoch relativ wenig dabei, eine positive Lösung zu finden.

Als Scrum Master kannst Du Deinem Team dabei helfen, stärker in Lösungen zu denken, indem Du Deinen Teamkollegen zum Ende der Starfish-Methode die Aufgabe gibst, für Klebezettel im Bereich Stop doing eine positive Formulierung im Bereich Start doing zu finden. Und für Notizen im Bereich Less of eine positive Formulierung im Bereich More of. So wird beispielsweise aus “Andere im Refinement nicht unterbrechen” (Stop doing) die Formulierung “Andere im Refinement ausreden lassen” (Start doing). Das ist (wie in diesem Beispiel) oft nur eine Kleinigkeit, hilft unserem Gehirn jedoch ungemein, Verhaltensweisen zu verändern.

Varianten der Starfish Retrospektive

Es gibt einige Varianten, die ähnlich funktionieren wie die Starfish Retro. Beispielsweise die Start-Stop-Continue Methode, bei der die Bereiche More of und Less of entfallen. Wie oben erwähnt, kann es auch sehr gut funktionieren, die Bereiche Stop doing und Less of entfallen zu lassen und eine Start-More-Keep-Retrospektive zu machen.

Vorlagen & Templates für die Starfish Retrospektive

Für die gängigen digitalen Whiteboards gibt es natürlich Templates und Vorlagen für die Starfish Methode.