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Warum ist agile Führung notwendig?

Die Notwendigkeit agiler Führung entsteht vor allem durch zwei ausschlaggebende Faktoren.

Zum einen sind Organisationen durch ein immer dynamischeres Umfeld gezwungen, sich schnell verändern und anpassen zu können. Hierbei spielt vor allem die vielzitierte VUCA-Welt eine wichtige Rolle.

Zum anderen hat jedoch auch die Arbeits- und Funktionsweise agiler Teams (die eine Antwort auf die VUCA-Welt darstellen) einen direkten Einfluss auf das Thema Leadership. Kurz gesagt: Agile Teams müssen auch agil geführt werden.

VUCA-Welt

Wenn Du so möchtest, ist agile Leadership sowohl aufgrund eines hoch dynamischen Umfeldes als auch wegen der deshalb notwendigen Arbeit in agilen Teams notwendig.

VUCA-Welt

Die Marktbedingungen, denen sich die allermeisten Unternehmen heute gegenübersehen, werden auch gerne mit dem Begriff VUCA umschrieben. VUCA ist ein Akronym und steht für Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity.

  • Erstens ist das Marktumfeld für Organisationen durch starke Schwankungen (Volatility) gekennzeichnet. Denn was heute gilt, kann innerhalb kürzester Zeit genau umgekehrt sein.

  • Zweitens ist damit einhergehend auch die zukünftige Entwicklung einer Branche nicht mehr so ohne Weiteres für Deine Organisation vorhersehbar (Uncertainty). Während Märkte vor zwei bis drei Jahrzehnten noch sehr stabil waren, ist die Richtung, die ein Markt einschlagen wird, immer weniger bestimmbar.

  • Drittens kommt hinzu, dass die Einflüsse, denen ein Markt unterliegt, miteinander verwoben sind (Complexity). Die Faktoren, die die zukünftige Entwicklung Deines Marktes und die Bedarfe Deiner Kunden beeinflussen, stehen also in einer nahezu unüberschaubaren Wechselwirkung zueinander.

  • Viertens ist die Bedeutung vorhandener Informationen nicht mehr eindeutig (Ambiguity). Veränderungen in Deinem Markt oder Deiner Branche sind mehrdeutig und könnten oft verschiedene Schlussfolgerungen zulassen.

Selbstorganisierte Teams

Eine der Antworten, die agile Methoden auf die Herausforderungen der VUCA-Welt geben, sind kleine, selbstorganisierte Teams.

Denn wenn ein Mensch alleine die Komplexität von Problemen nicht mehr überblicken kann, ist die logische Antwort darauf, in interdisziplinären Teams zu arbeiten. Nur so kann ein möglichst klares Bild einer zu lösenden Herausforderung entstehen.

Gleichzeitig müssen diese Teams jedoch in der Lage sein, sich selbst zu steuern, um ihre Arbeit schnell an Veränderungen und neue Erkenntnisse anzupassen.

Interdisziplinäre Teams

Außerdem sind agile Teams auf eine intensive, kollaborative Zusammenarbeit angewiesen, weil das notwendige Wissen, um Aufgaben zu bewältigen, nicht mehr vorhanden ist, sondern erst während der Arbeit generiert werden muss. Wenn Du so möchtest, besteht die Hauptaufgabe agiler Teams darin, schnell hinzuzulernen.

Der VUCA-Welt mit agiler Führung begegnen

Die Bedingungen der VUCA-Welt stellen für Dich als Agile Leader besondere Anforderungen. Zum einen äußert sich das natürlich in einer entsprechenden Haltung, die dadurch notwendig wird. Zum anderen haben Komplexität, Ungewissheit, Volatilität und Mehrdeutigkeit jedoch auch direkte, praktische Konsequenzen für agile Führung.

Zeige Demut!

Zunächst einmal bedeuten die VUCA-Faktoren, dass niemand alleine die Antwort auf dringende Probleme finden kann. Komplexität, Ungewissheit, Mehrdeutigkeit und Volatilität führen dazu, dass auch Du als Agile Leader nicht für Dich beanspruchen kannst, bereits die beste Lösung für Probleme zu kennen oder sie alleine entwickeln zu können.

Die logische Konsequenz aus dieser Erkenntnis ist, dass Du stets eine angemessene Demut an den Tag legen solltest. Als agile Führungskraft bist Du auf das Wissen und Know-how Deiner Mitarbeiter angewiesen, um gute Entscheidungen treffen zu können. Wenn sie dieses nicht mit Dir teilen, bist Du verloren.

  • Ein besonders hilfreicher Ansatz, diese Demut in die Praxis umzusetzen, ist die Humble-Inquiry-Methode von Edgar Schein.

Fördere Psychologische Sicherheit und eine positive Fehlerkultur

Zweitens führen die Ungewissheit und Mehrdeutigkeit der VUCA-Welt dazu, dass Deine Mitarbeiter sich nicht immer sicher sein können, ob ihre eigene Perspektive auf bestimmte Herausforderungen richtig ist.

Wenn sie beispielsweise glauben, Probleme zu erkennen, wissen sie oft nicht, ob es überhaupt ein echtes Problem darstellt.

Und selbst wenn dem so ist, bedeutet es nicht zwangsläufig, dass sie bereits eine Lösung dafür kennen. Es ist also wichtig, dass über Probleme gesprochen wird, auch wenn noch keine Lösung gefunden wurde.

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Akzeptieren

Außerdem kommt es durch VUCA zwangsläufig zu Irrtümern und Fehlern. In einem ungewissen und mehrdeutigen Umfeld, in dem das notwendige Wissen zur Lösung von Aufgaben erst erzeugt werden muss, ist das auch nicht weiter verwunderlich.

Ein wichtiges Element agiler Führung besteht deshalb darin, Psychologische Sicherheit und eine offene und positive Fehlerkultur in Deinen Teams zu fördern. Beides sorgt dafür, dass Informationen besser geteilt und gemachte Fehler für alle sichtbar gemacht werden. Denn nur auf diese Weise sind Deine Teams und die gesamte Organisation in der Lage, schnell hinzuzulernen.

Agile Führung fördert ein Growth Mindset

Lernen und Verbesserung sind ein zentrales Element agilen Arbeitens. Denn es reicht ja nicht aus, lediglich neue Erkenntnisse zu gewinnen. Echte Agilität besteht darin, sich daran anzupassen. Deshalb bedeutet agiles Arbeiten, dass jeder permanent hinzulernen muss.

Agile Führung besteht deshalb ebenfalls darin, ein Growth Mindset zu fördern – sowohl bei Dir selbst als auch bei Deinen Mitarbeitern. Denn dieses Selbstbild steht für eine Grundhaltung, dass wir etwas noch nicht können. Durch Lernen, Training und Übung sind wir jedoch in der Lage, hinzuzulernen und zu wachsen. Wenn Fehler hingegen als Makel oder gar Bedrohung für das eigene Selbstbild wahrgenommen werden, führt das dazu, dass wir uns nicht verbessern (wollen).

Hypothesen aufstellen & validieren

Komplexität und Ungewissheit bedeuten nicht, dass agiles Arbeiten darin besteht, sich irgendwie „durchzuwurschteln“ und die Lösung für Herausforderungen mehr oder weniger durch Zufall zu entdecken. Vielmehr ist agiles Arbeiten ein empirisches Vorgehen.

Agile Führung bedeutet deshalb auch, gemeinsam mit Teams Hypothesen aufzustellen und durch schnelle (und möglichst kostengünstige) Experimente zu validieren.

Denn nur durch diese Vorgehensweise lässt sich die beste Lösung schrittweise bzw. iterativ entwickeln.

Agile Führung bedeutet, Experimente und schnelles Lernen zu fördern

Evidence-Based Management

Hierzu gibt Dir Evidence-Based Management ein hilfreiches Rahmenwerk an dir Hand. Mit dem Experiment Loop unterstützt es Dich und Deine Teams dabei, in kurzen Iterationen zu denken und durch klare Metriken die Ergebnisse Eurer Experimente so objektiv wie möglich zu bewerten.

Agile Führung ermöglicht Selbstorganisation

Neben den Konsequenzen der VUCA-Welt bist Du als Agile Leader jedoch gleichzeitig mit einer neuen Arbeitsweise konfrontiert. Denn agiles Arbeiten findet wie oben dargestellt in kleinen, selbstorganisierten Teams statt. Agile Führung muss deshalb Wege finden, Teamwork, Kollaboration und Autonomie in diesen Teams zu unterstützen und zu fördern.

Shared Leadership

Damit Deine Teams in der Lage sind, selbstorganisiert zu arbeiten, musst Du als Agile Leader Entscheidungsmacht abgeben und sie auf Deine Teams übertragen. Denn sie können ja nur dann möglichst autonom arbeiten, wenn sie eigenständig Entscheidungen treffen können.

Shared Leadership bzw. geteilte Führung ist dabei ein hilfreicher Ansatz, diesen Aspekt agiler Führung in die Praxis umzusetzen.

Zum einen bedeutet geteilte Führung, dass Du Entscheidungsmacht an Deine Teams abgibst und auf diese überträgst.

Zum anderen heißt Shared Leadership allerdings auch, dass sich die Mitglieder eines Teams Führung untereinander teilen.

Auf diese Weise kann immer dasjenige Teammitglied die Führung übernehmen, die in der jeweiligen Situation am besten dazu geeignet ist.

Agiles Führen mit Zielen

Selbstorganisation bedeutet natürlich nicht, dass Teams einfach tun, was sie möchten. Das wäre schlichtweg Anarchie. Deshalb sind klare Ziele (beispielsweise in Form von Objectives & Key Results) ein wichtiger Grundpfeiler agilen Arbeitens. Agile Führung besteht deshalb auch darin, Teams mit Hilfe von Zielen zu führen, um ihnen Orientierung zu geben.

Damit jedoch sowohl Autonomie als auch gleichzeitig eine gemeinsame Ausrichtung verwirklicht werden kann, ist es wichtig, dass sich diese Ziele in erster Linie auf das Ergebnis beziehen. (Ansonsten würdest Du Deinen Teams ja exakt vorschreiben, was sie tun müssen.) Ziele für agile Teams fokussieren sich deshalb in erster Linie auf den Outcome und nicht auf den Output.

Agile Leadership ist Servant Leadership

Eine weitere wichtige Facette agiler Führung ist Servant Leadership. Denn mit Hilfe dieses Führungsstils kannst Du bereits viele der oben genannten Punkte in die Praxis umsetzen. Beispielsweise eignet sich Servant Leadership sehr gut, um Psychologische Sicherheit zu erzeugen und die Innovationsfähigkeit & Kreativität von Teams zu unterstützen.

Darüber hinaus hat dienende Führung einen starken Einfluss auf die gegenseitige Unterstützung in Teams und fördert außerdem das Teilen von Wissen, Informationen und Know-how.

Gegenseitige Hilfsbereitschaft und Eigeninitiative

Kollaboration in Teams entsteht nur dann, wenn Teammitglieder sich gegenseitig unterstützen und untereinander helfen.

Servant Leadership bzw. agile Führung fokussiert sich deshalb darauf, sowohl die Kompetenzen und Skills jedes einzelnen weiterzuentwickeln als auch proaktives Handeln & Eigeninitiative zu unterstützen.

Hierbei spielen insbesondere das Schaffen von Handlungsspielräumen sowie gleichzeitig klarer Orientierung durch konkrete, greifbare Ziele eine wichtige Rolle.

Agile Führung fördert Kollaboration, Eigeninitiative und proaktives Handeln

Wissen teilen & Knowledge Hiding

Damit komplexe Probleme gelöst werden können, ist es wichtig, das Teilen von Wissen in Teams bzw. Deiner gesamten Organisation wo immer es geht zu unterstützen. Agile Führung heißt deshalb auch, dass Du Möglichkeiten des Wissensaustauschs schaffst. Konkret kann das beispielsweise in Form von Barcamps, Communities of Practice oder auch durch Working Out Loud Circles geschehen.

Gleichzeitig kommt Dir als Agile Leader dabei eine wichtige Vorbildfunktion zu, sodass Du vor allem Dein eigenes Wissen und Know-how bestmöglich verbreiten solltest. Auf diese Weise erkennen Deine Mitarbeiter, dass das Teilen von Wissen erwünscht und letzten Endes hilfreich für alle ist.

  • Mehr Tipps und Ideen, wie Du als Agile Leader das Teilen von Wissen fördern kannst, erfährst Du auch in meinem Artikel über Knowledge Hiding.

Fazit zu agiler Führung

Wie Du siehst, ist agile Führung durch die Bedingungen der VUCA-Welt und agiles Arbeiten in kleinen, selbstorganisierten Teams kein selbstverliebtes Klimbim, sondern zwingend notwendig, um Antworten auf dringende Herausforderungen zu geben. Ich hoffe, ich konnte Dir mit diesem Artikel ein gutes, erstes Grundverständnis davon geben, was agile Leadership in der Praxis bedeutet und welche Haltung eine agile Führungskraft haben sollte, um erfolgreich zu sein.

Solltest Du noch Fragen, Ideen, Anregungen oder Kritik zu diesem Artikel haben, freue ich mich natürlich wie immer auf Dein Feedback in den Kommentaren hier unten auf der Seite.